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Auf Paul Gerhardts Spuren
durch Lübben gewandelt
Pfarrwitwe Fromm und Stadtrat Hoymb führen durch die Stadt
Autofahrer drosseln ihre Geschwindigkeit, Passanten bleiben neugierig
stehen: Sie wundern sich offenbar über die feine Gesellschaft,
die im Lübbener Stadtkern unterwegs ist. Es ist Stadtrat Hoymb,
an seinem Arm geht Sabina Fromm. Dabei hat sich an den politischen
Verhältnissen in der Spreewaldstadt nichts geändert. Allerdings
wurde die Zeit zurück gedreht für eine Stadtführung
der besonderen Art.
Frank Selbitz schlüpfte in die Rolle von Stadtrat Hoymb, Jutta
Küchler gab die Pfarrwitwe Sabina Fromm. Sie war die Schwägerin
und Haushälterin von Paul Gerhardt, der im nächsten Jahr
400 Jahre alt würde. Hoymb hatte den Pfarrer und Dichter einst
nach Lübben geholt. Was Gerhardt dort erlebte, welche Sorgen
und Freuden er hatte und mehr Geschichtliches aus seinem Leben können
Interessierte bei den Paul-Gerhardt-Rundgängen nachempfinden.
Am vergangenen Samstag wollten knapp zehn Leute dabei sein.
Die Tour begann am Trutzer, dem Domizil des Lübbener Nachtwächters.
Zum Auftakt wurde gesungen, natürlich Lieder von Paul Gerhardt.
Gisela Christl begleitete den spontan entstanden Chor auf dem Akkordeon
und verstaute das Instrument anschließend in einem alten Handwagen.
Auf ihm stand ebenso ein Kasten Torgauer Landbier - "eben erst
vom Markt geholt", erklärte Christl schmunzelnd.
Auf den Spuren Paul Gerhardts wandelten die Interessierten zuerst
zur Sonnenuhr. Jutta Küchler drehte ihren imposanten Sonnenschirm
lässig in der Hand, erzählte wie zufällig aus dem Leben
des Dichters und Pfarrers. Zum Beispiel, wie er als Superintendent
von Berlin nach Lübben kam. Ihre Geschichten aus der Vergangenheit
ergänzte Stadtrat Hoymb. Kurz nach dem nächsten Halt auf
dem Lübbener Marktplatz schlossen sich der exotischen Gruppe
spontan fünf Frauen an.
Die Gruppe erreichte das Paul-Gerhardt-Denkmal und wollte einen Blick
in die nach ihm benannte Kirche werfen. Pfarrwitwe Fromm besorgte
den Schlüssel, öffnete die schwere Tür und ermöglichte
Einblicke in Gerhardts Wirkungsstätte. Im Gotteshaus ist der
frühere Superintendent sichtbar: Im Altarraum ist er auf einem
Bild zu sehen, in der Sakristei auf einem Fenstergemälde. Beim
Abstecher in das Gotteshaus gab es eine kleine Führung inklusive
Gesang.
Zwischen Landratsamt und Gericht stoppte die Gruppe wenig später
erneut. Jetzt kam der Kasten Bier ins Spiel. Selbitz überreichte
den teilnehmenden Herren jeweils eine Flasche: Prost auf Paul Gerhardt!
Der habe zu seiner Zeit auswärtiges Bier nur unter Schwierigkeiten
nach Lübben bringen können.
Die neugierige Nachbarin Paul Gerhardts, gespielt von Gisela Christl,
hatte am Samstag kleinere Schwierigkeiten mit ihrem historischen Gefährt,
an dem sich einer der schmiedeeisernen Reifen löste. Da war die
Tour aber gerade beendet. Im kleinen Gartencafé gab es nun
für die weiblichen Teilnehmer eine Überraschung: eine Tasse
Kaffee.
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Pressestimmen Lausitzer Rundschau, 14. März 2007
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Auf den Spuren eines großen Lübbeners
Stadtrundgang anlässlich des
400. Geburtstags von Paul Gerhardt bot viel Neues
Von Roswitha Jurrack
Lübben. Stadtrat von Hoymb, Marktfrau
Hedwig und Pfarrwitwe Sabina Fromm haben ihre Gäste auf eine
ganz besondere Zeitreise durch Lübben mitgenommen. Den 400.
Geburtstag des Kirchenlieddichters Paul Gerhardt feierten die historischen
Figuren mit einem Stadtrundgang, der sein Leben widerspiegelte.
Im Mittelpunkt stand Pfarrwitwe Sabina Fromm, Schwägerin Paul
Gerhardts, in deren historischem Kleid die Lübbenerin und Paul-Gerhardt-Kennerin
Jutta Küchler steckte. Selbst Gisela Christl, die oft als Nachtwächter-Gesellin
durch die Spreewaldstadt führt und diesmal die Marktfrau Hedwig
gab, staunte, was sie alles wusste. Bei jedem Rundgang ist etwas
Neues zu erfahren, sagte sie.
Am Arm von Stadtrat von Hoymb, den der Lübbener Frank Selbitz
darstellte, sonst unter anderem als Nachtwächter unterwegs,
schritt Pfarrwittwe Fromm durch die Lübbener Gassen. Sie ist
überzeugt, dass die Gedichte und Lieder Paul Gerhardts (er
schrieb mehr als 130 deutsche Verse) ihre Wirkung bis heute nicht
verfehlt haben.
Kostproben davon bot Jutta Küchler an Stationen mit Lübbener
Geschichte und auf den wie anno dazumal gepflasterten Wegen. Gemeinsam
mit Stadtrat von Hoymb und Marktfrau Hedwig rief sie die Lebensstationen
des Archidiakons in Erinnerung. Entlang der historischen Stadtmauer
ließen sie seinen Geburtsort Gräfenhainichen Revue passieren,
an der Sparkasse sein Wirken in Grimma, auf dem Marktplatz die Zeit
in Wittenberg. Diese Stationen wurden immer mit dem passenden Lied
umrahmt, stimmgewaltig unterstützt von Pfarrer Heide aus Krausnick.
Nicht nur ihr Wissen über den Dichterpfarrer, auch das Pfarrwittwen-Kostüm
beeindruckte die Gäste. Den Umhang habe ich mir in Görlitz
bei einer Spezialschneiderei anfertigen lassen, das Kleid im Barockstil
hat eine Lübbener Schneiderin gezaubert, und der Hut stammt
aus einem Privatbesitz, erklärte Jutta Küchler.
Bereits seit dem Jahr 2000 macht sie sich Gedanken über das
Jubiläumsjahr in Lübben, mit dem des zweitgrößten
Kirchenlieddichters nach Luther gedacht wird. Durch ihren Anstoss
wurden viele Kontakte für das Paul-Gerhardt-Jahr hergestellt.
Sie hat die Musikerin Sarah Kaiser entdeckt, die die Lieder Paul
Gerhardts neu interpretiert, oder die Gruppe Servi, die im November
ein Multimedia-Konzert präsentieren wird.
Welchen Schatz die Lübbener mit Paul Gerhardt haben, wurde
ihnen an diesem Abend noch bewusster, als es vielen schon ist. Wenn
Paul Gerhardt auch in Berlin, Mittenwalde und Wittenberg wirkte,
steht doch in Lübben das originale Paul-Gerhardt-Denkmal.
Die Besucher des Rundganges haben es wie Gisela Christl genossen,
Unbekanntes über den Pfarrer und Dichter erfahren zu haben,
und ließen den Abend mit einem speziellen Festmenü im
Gärtnerhaus ausklingen.
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